Die Mauer muss weg!

Wenn der Schiedsrichter bei Oberliga-Spielen einen Freistoß für Union Berlin pfeift, haben die Fans einen legendären Spruch parat: „Die Mauer muss weg“ skandieren sie angesichts der gegnerischen Spieler, die aneinandergereiht ihr Tor abschirmen. Gemeint ist aber natürlich etwas anderes, die Mauer aus Stein, die einige Kilometer von der „Alten Försterei“ entfernt Berlin in zwei Teile schneidet. Eine kalkulierte Provokation, doch am 9. November 1989 wird der Wunsch wahr: Die Mauer ist weg.

Für die Teams in der DDR, die kein Jahr später ebenfalls Geschichte sein wird, beginnen stürmische Zeiten: Das Neuen Deutschland spekuliert im Januar 1990 sogar über eine Fusion vom BFC Dynamo mit dem 1. FC Union Berlin. Der Gedanke wird aber gleich verworfen: „Da sind die Interessenlagen zu verschieden. Obwohl auch Union in finanzielle Nöte geraten könnte, ist die Lage für die Wuhlheider wesentlich besser. Tradition und Name.“

Neue Wege mit Trikotsponsor

Dabei gehen die „Eisernen“ durchaus neue Wege. Unter den DDR-Clubs ist die Mannschaft laut Berliner Zeitung „Vorreiter in Sachen Trikotwerbung“. Das stimmt zwar nicht ganz, bereits im Frühjahr 1989 hatte die BSG Robotron Sömmerda Exportware ihres Werkes bei einem Ligaspiel beworben. Union präsentiert dagegen im Dezember 1989 weiße Shirts der Marke Puma, die das Logo des Westberliner Kanalreinigers „Brauer Rohr-Frei“ ziert. Angebliche Gegenleistung: „Sachwerte, vor allem für den Spielbetrieb aller Union-Mannschaften“.

Bares Geld kosten dagegen die Tickets für das erste Highlight der 1990er-Jahre: Zum ersten Mal trifft Union Berlin auf Hertha BSC Berlin. 500 Pfennig – in beiden Währungen – beträgt der Eintritt für das Fußballfest im Olympiastadion …