Ein Kessel Buntes

In rot-weißen Trikots zum FDGB-Pokal 1968, mit dem BSR-Logo auf der Brust in die 2. Bundesliga – die Trikots von Union waren Teil legendärer Momente der Vereinshistorie. Allerdings: Nicht alle Mitglieder des Teams trugen dabei dieselben Farben.

Schon 1966 trat Torwart Peter Blüher im dunklen Dress an, wenn seine Mannschaftskameraden in den helleren Vereinsfarben aufliefen. Spätere Generationen trugen ihre Torwart-Trikots in quietschbunten Farben. „Bei den Torhütern gibt es eine starke Vorliebe für grüne Trikots“, hat der langjährige Union-Zeugwart Detlef Schneeweiß beobachtet. Zeit für ein paar Höhepunkte mit Trikots, die immer etwas anders waren als die anderen.

Farbtupfer auf dem Platz

  • 1983/84: Unions Torhüter schätzen die Farbe Grün besonders, sagt ein langjähriger Zeugwart. Das war schon in den 80ern so, wie dieses Trikot beweist.

  • 1987/88: In schlichtem Schwarz-Gelb, ganz ohne Aufdruck, wurde in der Saison 1987/88 manche Partie bestritten. Das fehlende Logo...

  • 1988/89: ...war aber die Ausnahme: In der Folgesaison ist die Zugehörigkeit des Torhüters wieder deutlich markiert.

  • 2003/04: Die Farbvielfalt der Torwarttrikots ist beachtlich, Anfang der 2000er-Jahre trugen die Torhüter bei manchen Spielen sogar Himmelblau.

  • 2015/16: Orange ist ein Klassiker im Union-Tor. Bei einem Spiel in Düsseldorf musste das Trikot aber gewechselt werden - dem Schiedsrichter war der Look zu nah am Dress des Heimteams

  • 2018/19: Das aktuelle Torwarttrikot ist jetzt schon legendär, Rafal Gikiewicz trug es bei seinem Last-Minute-Kopfballtor. Bleibt zu hoffen, dass dieses Trikot noch mehr Stoff für Legenden bietet...

Held zwischen den Pfosten

Als Union im September 1976 seinen legendären Sieg über Dynamo Berlin erringt, gibt es viele Väter des Erfolgs: Torschütze ist Ulrich Netz, doch für manche Beobachter ist es eben einem „harmonierenden Kollektiv“ zu verdanken, dass die „Eisernen“ als Sieger vom Platz gehen. Für das Neue Deutschland spielt auch ein „Überragender Union-Torwart“ eine entscheidende Rolle: Wolfgang Matthies. Mit „serienweise glänzenden Paraden“ habe der Keeper den Sieg für Union verteidigt. „Diese Spiele werde ich nie vergessen, an die werde ich mich ewig erinnern“, sagte Matthies später dem rbb. Dabei ist es längst sein letzter legendärer Moment im Torwart-Trikot von Union. Bereits im Rückrundenspiel 1977 hält Matthies einen Elfmeter gegen Dynamo, später festigt er seinen Status als Legende etwa im Halbfinale des FDGB-Pokals 1986: Beim 4:3 Sieg in Dresden hält der seinen 5. Elfmeter in der Saison. Kein Wunder, dass die Fans von Union ihn nicht nur 1986 als „Union-Fußballer des Jahres“ auszeichnen, sondern ihn noch Jahrzehnte später zum „wertvollsten Unioner aller Zeiten“ küren.

Nerven aus Stahl

Am Ende ist Sven Beuckert ganz bescheiden. „Die ganze Mannschaft hat sich 120 Minuten voll in den Matsch geschmissen. Ich lag nur zweimal zufällig richtig“, wird der Union-Keeper bei Spiegel Online zitiert. Dabei hat der damals 30-Jährige gerade eine legendäre Partie hinter sich. Im Elfmeterschießen haben die „Eisernen“ den Favoriten Gladbach im Halbfinale des DFB-Pokals bezwungen, das Trikot in schwarz und neon-orange zeigt deutliche Kampfspuren. Gladbachs Stars Arie van Lent und Max Eberl scheitern an Beuckert, der zwei Mal die richtige Ecke wählt. Am Ende schlägt Pokalheld Beuckert mit seinem Team so einen Favoriten, dessen Torhüter Uwe Kamps als der eigentliche Elfmeterkiller gilt. Ein anderes Torwartduell geht für Beuckert gleichwohl weniger glücklich aus: Weil der neue Trainer Mirko Votava Beuckert mit dem bisherigen Ersatzkeeper Robert Wulnikowski rotieren lässt, verlässt Sven Beuckert die „Eisernen“ bald darauf Richtung Duisburg.

Mit Köpfchen!

Im Oktober 2018 ist Union noch ungeschlagen, doch es sieht aus, als würde die Strähne reißen. Die Gäste aus Heidenheim führen in der 93. Minute mit 1:0. Doch kurz vor Abpfiff gibt es noch einen Freistoß für die „Eisernen“. Union wirft alles nach vorne. Auch Torhüter Rafal Gikiewicz, der bei einem Freistoß kurz zuvor von Trainer Urs Fischer zu hinten bleiben aufgefordert wurde, rennt jetzt mit, springt in die Luft – und köpft den Ball ins Tor! Ausgleich! Union hält die Bilanz – und Gikiewicz hat seine zweite Torbeteiligung in der Saison. Gegen Duisburg hatte er den Ball auf den Fuß von Torschütze Florian Hübner gelegt.

Auch wenn das Rückrundenspiel gegen Heidenheim weniger prickelnd endet – mit seinem Kopfballtor hat Rafal Gikiewicz gezeigt, dass man immer mit Union rechnen muss.