Der Herr der Trikots

Wenn das Team von Union aufläuft, strahlen die Trikots in leuchtenden Farben. Damit das so ist und die Grasflecken vom vorherigen Spieltag schnell der Vergangenheit angehören, kümmert sich ein Zeugwart um die Ausstattung der Spieler.

Unions langjähriger Zeugwart im Interview

Detlef Schneeweiß hatte diesen Posten bei Union von 1999 bis 2016 inne, heute unterstützt er den Verein nebenbei im Jugendbereich. Ein Gespräch über einen Job, hautnah am Team.

Foto: EISERNFOTO©Michael Schmidt

Herr Schneeweiß, wie wird man Zeugwart bei Union und was macht man den ganzen Tag in diesem Job?

Schneeweiß: Ich habe 1999 gerade eine Umschulung zum Industriekaufmann gemacht, als ich in der Fußballwoche ein Inserat sah: Zeugwart gesucht. Das fand ich spannend und vielversprechender, also hab ich mich beworben. Einen Tag nach dem Vorstellungsgespräch lag schon die Zusage in der Post. Der Job ist bei allen Profiteams gleich: Man kümmert sich die Ausstattung der Spieler, von Unterwäsche bis Trikot. Die müssen gewaschen und zusammengelegt werden, nur um ihre Schuhe kümmern sich die Spieler bei Union selbst. Außerdem sorgt man dafür, dass alles verfügbar ist, auch Ersatzmaterial wie Stollen. Der Job ist zeitintensiv und nicht immer angenehm, wenn man die Schlüppis und schmutzigen Socken der Spieler in der Hand hat. Andererseits macht der Job viel Spaß, vor allem wenn die Ausrüstung komplett ist.

Sie haben in 17 Jahren viele Höhen und Tiefen erlebt. Inwiefern macht es einen Unterschied, ob man Zeugwart für ein Team der 2. Bundesliga ist – oder für einen Viertligisten?

Schneeweiß: Der Unterschied ist gar nicht so groß. Die einschneidende Veränderung war die verbesserte Ausstattung durch den Umbau des Stadions. Heute ist alles besser ausgebaut, die Wäsche kommt per Wäschwagen von der Kabine in die Wäscherei und muss nicht mehr im Auto quer über das Gelände kutschiert werden. Früher mussten sich die Spieler ihre Trikots aus einem Billy-Regal in einem kleinen Büro abholen, das haben spätere Nationalspieler genauso gemacht wie Amateurkicker. Ungewohnt spannend war es nur, als wir 2001 international gespielt haben. Auf dem Weg nach Bulgarien dachte ich mir öfter „wenn jetzt ein Trikot fehlt, haben wir ein Problem …“.

Wie oft kam es in Ihrer Laufbahn denn vor, dass so eine Panne passiert ist? Und was macht man in so einem Fall?

Schneeweiß: Improvisieren! Es gab während meiner Zeit tatsächlich die ein oder andere Panne. In Düsseldorf hatten wir einmal das falsche Torwarttrikot dabei, das Orange des mitgeführten Heimtrikot war dem Schiedsrichter zu nah am Düsseldorfer rot. Wir haben dann ein Düsseldorfer Trikot bekommen und das Logo abgeklebt. Die Reaktion ging dann meist in die Richtung „kann ja mal passieren“, wobei in Düsseldorf eher Verwunderung über den Schiedsrichter herrschte. In anderen Fällen kam zum Improvisationstalent auch einfach etwas Glück dazu …

Gibt es dafür auch ein Beispiel?

Schneeweiß: Bei seinem zweiten Heimspiel für Union kam plötzlich Felix Kroos sagte, er habe kein Trikot. Da ging das große Suchen los und tatsächlich – es war kein Heimtrikot aufzufinden. Dabei war Kroos für die Startelf gesetzt. Wir hatten Glück, dass der Gegner Karlsruhe hieß und nicht etwa Ingolstadt – gegen einen Gegner in blauen Leibchen konnten wir statt in Rot auch in den schwarzen Auswärtstrikots auflaufen, allerdings mit roten Hosen und Stutzen. Ein ziemlich einmaliges Outfit für uns…

Ein anderes Unikat haben Sie selbst einmal hergestellt…

Schneeweiß: Ja, als Karim Benyamina bei uns angefangen hat, war sein Trikot falsch beflockt. Da stand „Benjamina“ auf dem Rücken. Bei Sven Beuckert hatten wir einmal einen Buchstabendreher, aus seinem Namen wurde „Beukcert“. Das waren Trikots, die gab es einen Spieltag lang. So was darf nicht passieren, kommt aber doch ab und zu vor. Das sind aber so Pannen, die konnte man im Nachgang gut klären. Als bei einer Partie einmal ein Spieler ohne Sponsorenaufdruck auflief, haben wir den Sponsor im Nachhinein informiert und das war dann in Ordnung.

Gibt es denn Unmut bei den Spielern, wenn das Lieblingstrikot plötzlich fehlt?

Schneeweiß: Nein, bei Union waren eigentlich alle unkompliziert und haben keine besonderen Marotten. Es gab einmal einen Spieler, der in der Halbzeitpause nicht nur sein Trikot, sondern die gesamte Ausrüstung wechseln wollte. Das kannten wir noch nicht und waren beim ersten Mal etwas überrascht, als er plötzlich nackt in der Kabine stand. Beim nächsten Spiel gab es dann eine komplette zweite Garnitur für ihn. Ansonsten gibt es bei den Torhütern eine starke Vorliebe für grüne Trikots. Und einen besonderen Wunsch hatte Benjamin Köhler, der sein Trikot in Größe S haben wollte – das ist eigentlich B-Jugend-Größe. Umgekehrt hat der aktuelle Ausstatter uns mit seiner Vorstellung von Trikotgrößen etwas überrascht …

Sie meinen die Trikots von Macron?

Schneeweiß: Genau. In Italien, wo die Marke herkommt, ist der Schnitt etwas körperbetonter. Bei der ersten Lieferung mussten wir wieder etwas improvisieren, dann haben wir alles in zwei Nummern größer bestellt. Dass die Spielerhosen von Macron keinen Innenslip haben, hat auch erst für Irritation gesorgt. Dann haben die Spieler aber einfach eine Radlerhose darunter gezogen.

Haben Sie als Zeugwart ein persönliches Lieblingstrikot?

Schneeweiß: Mir haben persönlich die Trikots von Saller sehr gut gefallen. Aber insgesamt waren alle Ausstatter gut. Wobei ich eher die schlichteren Designs bevorzuge, zum Beispiel die dunkelblauen Trikots der Vorsaison.

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