Im galanten Aufzug zum Aufstieg

Zu den legendärsten Höhepunkten der 1970er-Jahre gehören sicher die Aufstiegsspiele, mit denen sich Union den Weg zurück in die DDR-Oberliga erkämpfte. Immer dabei: Die Fans, die die gegnerischen Stadien mit Trikots und Fahnen in ein rot-weißes Meer verwandeln.

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Endlich wieder Oberliga!

Es ist verhext, was da Mitte der 1970er-Jahre bei Union passiert: Zweimal belegt das Team souverän den ersten Tabellenplatz seiner Staffel, doch was 1970 noch für den Aufstieg gereicht hat, ist nun nur noch eine erste Hürde: Der DDR-Fußballverband hat die zweite Spielklasse umstrukturiert, die nun in fünf statt bisher zwei Staffeln unterteilt ist. Wer aufsteigt, wird in einer Relegationsrunde entschieden – und die hat es für Union in sich: Der Erfolg in der regulären Saison entflieht den Unionern regelmäßig in der Relegationsrunde. Als das „Neue Deutschland“ im Mai 1976 über den Beginn der Aufstiegsrunde berichtet, wird die Favoritenrolle der „Eisernen“ nach der als gesetzt geltenden Hansa Rostock dann auch gleich relativiert: Schließlich hätten die Berliner bereits „zweimal vergeblich Anlauf genommen“.

Doch diesmal soll es anders werden. „1. FC Union kommt dem Aufstieg nahe“ schreibt die „Neue Zeit“ nach dem Sieg des mittlerweile deutlich verjüngten Teams gegen Motor Werdau und nach einem 1:1 gegen Hansa Rostock ist der Aufstieg für die Berliner Zeitung „praktisch gesichert“. Aber eben nur praktisch.

Um „den Aufstieg ins Oberhaus auch ‘theoretisch’ perfekt zu machen“, schreibt die „Neue Zeit“, fehlt dem 1. FC Union Berlin „ein winziger Punkt“. Am 26. Juni will Union dieses Pünktchen im thüringischen Suhl einfangen. Es herrscht „Gluthitze“ im Sportpark der Freundschaft – und bringt die mit vollem Einsatz erspielte 2:0-Führung plötzlich zum Schmelzen. In der 68. Minute gelingt dem Suhler Erhard Moser der Anschlusstreffer, in der 82. sogar der Ausgleich. Für Union, die in blau-weißen Hemden antreten, würde ein Unentschieden reichen, doch was, wenn die Suhler jetzt so kurz vor dem Schlusspfiff noch einmal treffen? Die Anspannung währt nur kurz – in der 83. Minute erlöst Ulrich Werder das mitgereiste Publikum und trifft zum 3:2-Siegtreffer! Es ist nicht das letzte Mal in diesem Jahr, dass die Unioner Grund zu Jubelstürmen haben …

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Rot-weiße Straße

Der Start in das neue Jahrzehnt gelingt eigentlich gut. Fröhlich lächeln die Spieler in roten Trikots mit weißen Ärmelstreifen vom offiziellen Erinnerungsfoto der Saison 1969/70. Es sind Farben, die am letzten Spieltag auch das kleine Städtchen Stendal am 31. Mai 1970 dominieren. Dort bestimmen zahlreiche Anhänger des 1. FC Union Berlin „schon von den frühen Morgenstunden an das Bild der Straßen“, schreibt der Sportreporter Werner Fischer zwei Tage später – dabei haben die Stendaler 10.000 Fähnchen mit ihren Farben in der heimischen „Wilhelm-Helfers-Kampfbahn“ verteilt. Kein Wunder, an diesem Sonntag kommt es zum Showdown in der zweithöchsten DDR-Spielkasse, in die Union 1969 abgestiegen war. Lok Stendal steht auf Platz eins in der Staffel Nord, Union ist zweiter. Nur ein Sieg kann den begehrten Aufstieg in die Oberliga sichern. Und Union liefert: In der 15. Minute erzielt Meinhard Uentz den Führungstreffer, ehe Wolfgang Juhrsch auf 0:2 erhöht. Vor 14.000 Zuschauern zeigt Union den Stendalern „deutliche ihre Grenzen auf“, wie das Deutsche Sportecho später festhält – und schließlich mit einem 3:0-Sieg vom Platz geht. Torschütze vier Minuten vor Spielende: Wieder Meinhard Uentz.

Für die mitgereisten Anhänger gibt es kein Halten mehr: „Begeistert wurden rot-weiße Fahnen geschwenkt“, schildert Fischer seine Eindrücke der „Jubelgesänge“ aus Stendal. Alte Fotos zeigen Union-Stars wie Reinhard Lauck im rot-weißen Dress beim Bad im ebenso rot-weißen Farbenmeer. Doch als Redakteur Fischer die Ereignisse einen Tag später in der Berliner Zeitung noch einmal Revue passieren lässt, gibt er eine unbequeme Analyse: „Die Mannschaft, die einige Spieler in ihren Reihen hat, die auf die 30 zugehen oder sie schon überschritten haben, ist sich bewußt, daß nun die schwerste Arbeit noch bevorsteht, nämlich die Oberliga endgültig zu sichern.“ Es soll sich zeigen, dass diese Aufgabe mittelfristig zu schwer ist: 1973 steigt Union Berlin wieder ab. Die „Eisernen“ wären nicht die „Eisernen“, wenn sie nicht aus diesen Rückschlag meistern würden – auch wenn dazu etwas Zeit nötig sein wird.

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Endlich wieder Oberliga!

Es ist verhext, was da Mitte der 1970er-Jahre bei Union passiert: Zweimal belegt das Team souverän den ersten Tabellenplatz seiner Staffel, doch was 1970 noch für den Aufstieg gereicht hat, ist nun nur noch eine erste Hürde: Der DDR-Fußballverband hat die zweite Spielklasse umstrukturiert, die nun in fünf statt bisher zwei Staffeln unterteilt ist. Wer aufsteigt, wird in einer Relegationsrunde entschieden – und die hat es für Union in sich: Der Erfolg in der regulären Saison entflieht den Unionern regelmäßig in der Relegationsrunde. Als das „Neue Deutschland“ im Mai 1976 über den Beginn der Aufstiegsrunde berichtet, wird die Favoritenrolle der „Eisernen“ nach der als gesetzt geltenden Hansa Rostock dann auch gleich relativiert: Schließlich hätten die Berliner bereits „zweimal vergeblich Anlauf genommen“.Doch diesmal soll es anders werden. „1. FC Union kommt dem Aufstieg nahe“ schreibt die „Neue Zeit“ nach dem Sieg des mittlerweile deutlich verjüngten Teams gegen Motor Werdau und nach einem 1:1 gegen Hansa Rostock ist der Aufstieg für die Berliner Zeitung „praktisch gesichert“. Aber eben nur praktisch.Um „den Aufstieg ins Oberhaus auch ‘theoretisch’ perfekt zu machen“, schreibt die „Neue Zeit“, fehlt dem 1. FC Union Berlin „ein winziger Punkt“. Am 26. Juni will Union dieses Pünktchen im thüringischen Suhl einfangen. Es herrscht „Gluthitze“ im Sportpark der Freundschaft – und bringt die mit vollem Einsatz erspielte 2:0-Führung plötzlich zum Schmelzen. In der 68. Minute gelingt dem Suhler Erhard Moser der Anschlusstreffer, in der 82. sogar der Ausgleich. Für Union, die in blau-weißen Hemden antreten, würde ein Unentschieden reichen, doch was, wenn die Suhler jetzt so kurz vor dem Schlusspfiff noch einmal treffen? Die Anspannung währt nur kurz – in der 83. Minute erlöst Ulrich Werder das mitgereiste Publikum und trifft zum 3:2-Siegtreffer! Es ist nicht das letzte Mal in diesem Jahr, dass die Unioner Grund zu Jubelstürmen haben …

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Rot-weiße Straße

Der Start in das neue Jahrzehnt gelingt eigentlich gut. Fröhlich lächeln die Spieler in roten Trikots mit weißen Ärmelstreifen vom offiziellen Erinnerungsfoto der Saison 1969/70. Es sind Farben, die am letzten Spieltag auch das kleine Städtchen Stendal am 31. Mai 1970 dominieren. Dort bestimmen zahlreiche Anhänger des 1. FC Union Berlin „schon von den frühen Morgenstunden an das Bild der Straßen“, schreibt der Sportreporter Werner Fischer zwei Tage später – dabei haben die Stendaler 10.000 Fähnchen mit ihren Farben in der heimischen „Wilhelm-Helfers-Kampfbahn“ verteilt. Kein Wunder, an diesem Sonntag kommt es zum Showdown in der zweithöchsten DDR-Spielkasse, in die Union 1969 abgestiegen war. Lok Stendal steht auf Platz eins in der Staffel Nord, Union ist zweiter. Nur ein Sieg kann den begehrten Aufstieg in die Oberliga sichern. Und Union liefert: In der 15. Minute erzielt Meinhard Uentz den Führungstreffer, ehe Wolfgang Juhrsch auf 0:2 erhöht. Vor 14.000 Zuschauern zeigt Union den Stendalern „deutliche ihre Grenzen auf“, wie das Deutsche Sportecho später festhält – und schließlich mit einem 3:0-Sieg vom Platz geht. Torschütze vier Minuten vor Spielende: Wieder Meinhard Uentz.

Für die mitgereisten Anhänger gibt es kein Halten mehr: „Begeistert wurden rot-weiße Fahnen geschwenkt“, schildert Fischer seine Eindrücke der „Jubelgesänge“ aus Stendal. Alte Fotos zeigen Union-Stars wie Reinhard Lauck im rot-weißen Dress beim Bad im ebenso rot-weißen Farbenmeer. Doch als Redakteur Fischer die Ereignisse einen Tag später in der Berliner Zeitung noch einmal Revue passieren lässt, gibt er eine unbequeme Analyse: „Die Mannschaft, die einige Spieler in ihren Reihen hat, die auf die 30 zugehen oder sie schon überschritten haben, ist sich bewußt, daß nun die schwerste Arbeit noch bevorsteht, nämlich die Oberliga endgültig zu sichern.“ Es soll sich zeigen, dass diese Aufgabe mittelfristig zu schwer ist: 1973 steigt Union Berlin wieder ab. Die „Eisernen“ wären nicht die „Eisernen“, wenn sie nicht aus diesen Rückschlag meistern würden – auch wenn dazu etwas Zeit nötig sein wird.

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