Die wilden 70er: Wie Union seine Trikots auch in dunklen Zeiten leuchten ließ

Es ist der 30.4.1977 und das Sprichwort vom April, der macht was er will, beschreibt das Wetter ganz gut. Zwei Tage Dauerregen haben ihren Tribut gefordert: Der Rasen im Bruno-Plache-Stadion in Leipzig gleicht einem Acker, das Spiel zwischen Lokomotive Leipzig und Union gerät zur Rutschpartie. Und die hinterlässt deutliche Spuren. „Da von der Farbenpracht der ersten Bekleidung nach 45 Minuten kaum noch etwas zu sehen war“, so schreibt Ex-Nationalspieler Jürgen Nöldner kurz darauf in der „Neuen Zeit“, ist ein Jerseytausch der etwas anderen Art notwendig: „Die Lok-Spieler und die Unioner nahmen neue Hemden und Hosen aus den Koffern“.

Für Union, so führt Nöldner aus, ist der Kleiderwechsel jedoch wenig hilfreich: „Während die Leipziger auch in neuer Kluft locker und leicht aufspielten, sich sogar zu oft in Spielereien gefielen, ließen die Wuhlheider ihre gute Form der ersten Halbzeit wohl in den dreckigen Hemden, denn nach dem Wechsel wirkten sie bei weitem nicht mehr so energisch und angriffsorientiert.“ Das Spiel endet dann auch mit einer 1:3 Niederlage gegen die Leipziger.

Das Union-Team von 1976.

Fritz Bohla und Rainer Rohde versuchen 1976  Lutz Molde von Lok Leipzig zu stoppen.

Aufstiegsspiele wie hier 1974 gegen Halle gehörten in den 1970er-Jahren zu den häufigeren Pflichten von Union Berlin.

Jenes Trikot-Pech im Frühjahr 1977 ist symptomatisch für das gesamte Jahrzehnt. Nach dem erfolgreichen Start in den 1960er-Jahren durchlebt Union hier ein Wechselbad der Gefühle. In der Oberliga erreicht das Team höchstens das untere Mittelfeld, 1973 steigt Union sogar in die zweithöchste Spielklasse ab. Zweimal misslingt der Wiederaufstieg, als Tabellenerster scheitern die Eisernen mehrfach in der Relegation. Doch trotz der durchwachsenen Bilanz: Auch die 1970er-Jahre hielten Höhepunkte bereit, in denen die Union-Trikots ein bisschen heller strahlen als sonst …