Meilensteine im neuen Look

Neues Jahrtausend, neues Glück – für den 1. FC Union Berlin ist das das passende Motto. Nach den herben Rückschlägen in den 1990er-Jahren gelingen den „Eisernen“ endlich wieder Erfolge. Dabei geht es zwischenzeitlich sogar einmal kurz in die vierte Liga. Dafür schlägt Union in den 2000er-Jahren Erzrivalen Dynamo Berlin mit 8:0, gewinnt den Berliner Landespokal und sichert sich 2009 den nachhaltigen Aufstieg in die 2. Bundesliga. Obwohl das entscheidende Spiel in roten Trikots bestritten wird, feiert der Union die Drittligameisterschaft im eher untypischen Schwarz. „Mein Favorit“ gab Ex-Profi Christian Stuff kürzlich über die limitierte Sonderedition mit goldenem Schriftzug zu Protokoll. „Ich fand das total schick.“

Das Design passt hier ohne Zweifel zum Anlass. Für die Leibchen, in dem sich die Erfolge dieses Jahrzehnts wie nirgends sonst verdichten, gilt das gleichwohl nicht: Ausgerechnet die Berliner Entsorgungsbetriebe zieren als Hauptsponsor die Trikots im Jahr 2001. Ab Mai kommt eine Variante mit Längsstreifen zum Einsatz, die einen „gefährlichen Stich ins ‘Unrote’“ besitzen, wie das Fanmagazin U.N.V.E.U. treffend bemerkte. Denn tatsächlich entsprechen sie „so gar nicht der Norm von RAL3020“, sondern erinnern eher an die weinroten Farben eines bestimmten Erzrivalen.

Aus Fohlen werden Ackergäule

Das Spielfeld im Stadion an der Alten Försterei hat nach 120 kämpferischen Spielminuten den Charakter eines Kartoffelackers. Große braune Flecken säumen das zuvor noch durchgängige Grün: Gastgeber Union und der Zweitligist Mönchengladbach haben sich nichts geschenkt. An diesem Februarabend geht es schließlich um nicht weniger als den Einzug ins DFB-Pokalfinale.

Schon früh werden gelbe Karten auf beiden Seiten gezeigt und auch die weißen Hosen der Unioner haben ihre Reinheit schnell verloren.

Der Kampfgeist lohnt sich: In der 27. Minute schießt Božidar Đurković den Führungstreffer für die „Eisernen“. Doch Gladbach legt nach, Arie van Lent schlägt in der 61. und 67. Minute gleich zwei Mal zu. Der Favorit geht in Führung. Doch Drittligist Union bleibt am Ball – und befördert ihn in der 80. Minute noch einmal ins Tor! Steffen Menze holt den Ausgleich und damit die Verlängerung für Union heraus. Nach torlosen 30 Minuten der Krimi: Arie van Lent tritt für die „Fohlen“ aus Gladbach an den Elfmeterpunkt. Sven Beuckert hat vorher Videos mit dem Stürmer angeschaut und wählt die richtige Ecke – der erste Schuss für Gladbach ist kein Treffer. Für Union tritt Daniel Teixeira an – und haut den Ball ins Netz! Union führt, die Sensation ist zum Greifen nahe. Als daraufhin Gladbachs Max Eberl trifft, ist die Entscheidung faktisch gefallen. Die Unioner bleiben nervenstark, kein Elfmeter wird verschossen. Dass Beuckert zwei Bälle nicht halten kann, spielt keine Rolle mehr: Union ist im Finale um den DFB-Pokal!

Im Olympiastadion findet einige Monate später ein Fußballfest gegen Schalke 04 statt, das der Bundesligist mit 2:0 für sich entscheidet. Für Union, erstmals in den dunkelrot gestreiften Trikots auf dem Platz, hat sich der Einzug trotzdem gelohnt. Das Trikot erinnere ihn „an meine tolle Zeit in Berlin“, sagte Michael Zechner dem Magazin U.N.V.E.U. Heute hängt es in seinem Büro an einem Ehrenplatz. Doch neben Glücksmomenten für die einzelnen Spieler bedeutet der Finaleinzug unabhängig vom verpassten Pokalsieg auch für den 1. FC Union Berlin insgesamt Gutes: Weil die Gelsenkirchener Vizemeister geworden sind und in der Folgesaison in der Champions League spielen dürfen, rückt Union in den UEFA-Pokal nach. Dabei ist das Team in dieser Saison noch eine Amateurmannschaft – die Betonung liegt auf noch …

Endlich 2. Liga!

Als Union am 12. Mai 2001 den SV Wilhelmshaven empfängt, hat das Trikot noch keine Streifen, erfolgversprechend ist es dennoch. Vier Spieltage stehen in der Regionalliga Nord noch auf dem Programm, doch Union hat schon jetzt die Chance, den Sack zuzumachen. Voraussetzung: Ein Sieg gegen die Nordlichter – und kein Sieg für Konkurrent Babelsberg, der parallel bei Erzgebirge Aue antritt.

Die Eisernen liefern: „Union fast wie im Rausch“, schreibt der Kicker angesichts eines wahren Torregens. In der 12. Minute erzielt Harun Isa den ersten Treffer, ein Eigentor der Wilhelmshavener baut die Führung für Union aus. Kurz vor der Halbzeit trifft Daniel Teixeira zum 3:0; nach der Pause erhöht der Brasilianer per Foulelfmeter auf 4:0. Als Nikol in der 87. Minute zum 5:0-Endstand trifft, sind die Augen der knapp 7.000 Zuschauer größtenteils schon woanders: Bei „Ritter Eisenheart“, wie Keule damals noch heißt, der sich per Handy über den Spielstand in Aue informiert. Dort lag Babelsberg in Führung – doch Aue, das teilt das Maskottchen nun mit, hat ausgeglichen. Jubelgesänge im Stadion an der Alten Försterei – Union hat erstmals den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft!

Und diesmal gibt es kein böses Erwachen! Der einzige Kater in diesem Zusammenhang dürfte der der Spieler sein, die im laufenden Spielbetrieb spontan eine Mallorca-Reise genehmigt bekommen. Dass sich die „Eisernen“ in Dresden nur ein müdes 0:0 abringen und in Verl sogar verlieren, interessiert da niemanden mehr. Am letzten Spieltag gibt es schließlich noch einen 4:0-Sieg gegen den KFC Uerdingen. Wie passend: Dem letzten Ligaspiel gegen den einstigen Intertoto-Gegner folgt eben jene Spielzeit, in der es Union endlich wieder aufs internationale Parkett bringt.

Europäisches Abenteuer

Unions europäisches Abenteuer beginnt unschön: Eigentlich sollen die „Eisernen“ am 13. September 2001 gegen den finnischen Club Haka Valkeakoski antreten. Doch nach den Terroranschlägen in den USA wird die Partie auf den 20. September verlegt – das Team erfährt davon am Flughafen. Vor gerade einmal 1.700 Zuschauern gibt es ein 1:1. Das Rückspiel ist da imposanter: Im Jahn-Sportpark, in den Union aus Sicherheitsgründen ausweichen muss, tummeln sich mehr als 12.000 Fans auf den Rängen – und sehen einen 3:0 Sieg der „Eisernen“. Es bleibt der Höhepunkt eines kurzen Ausflugs nach Europa – in Runde zwei ist gegen Litex Lowetsch Schluss. „Die waren mit allen Abwassern gewaschen“, erinnerte sich Ronny Nikol im Fußballmagazin „11 Freunde“. Als Zweitligist überhaupt in die zweite Runde des Wettbewerbs zu gelangen, ist dennoch eine Leistung, die zu diesem erfolgreichen Jahr passt.

Nachdem glorreichen Start ins neue Jahrtausend geraten die „Eisernen“ zwischendurch etwas ins Stottern und fallen tief. Doch am Ende steht Union wieder oben, steigt auf – und setzt sich in der 2. Bundesliga fest. Für immer? Hoffentlich nicht! Denn mit der Etablierung kommen auch die Aufstiegshoffnungen…

Lies in der kommenden Woche: Der Stoff aus dem die Träume sind – wie Union in roten Trikots um den Aufstieg kämpft!